Wir sind einfach nicht zu bremsen!

Der SoVD-Inklusionslauf 2026 zeigt, was Sport bewegen kann – und warum die USE auf ihre Laufgemeinschaft mächtig stolz sein darf.

Es gibt Lauftage, an denen zählen Sekunden, Platzierungen und persönliche Rekorde. Und dann gibt es Lauftage wie diesen. Tage, an denen man schon beim Blick in die Runde merkt: Hier geht es um viel mehr als um die Strecke. Hier geht es um Menschen, um Gemeinschaft und um das großartige Gefühl, gemeinsam etwas auf die Beine – oder besser gesagt: auf die Laufschuhe – gestellt zu haben.

Beim diesjährigen SoVD-Inklusionslauf gingen 34 Läuferinnen und Läufer sowie Walkerinnen und Walker der USE an den Start. 34 Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen, verschiedenen Tempi, aber einem gemeinsamen Ziel: dabei sein, sich bewegen und diesen Tag miteinander erleben.

Und wer jetzt glaubt, bei so viel Gemeinschaft sei es mit sportlichem Ehrgeiz nicht weit her, der irrt gewaltig! Denn während beim Inklusionslauf das Miteinander im Mittelpunkt steht, purzelten tatsächlich auch noch persönliche Bestzeiten. Da darf man ruhig einmal genauer auf die Uhr schauen – und anschließend umso breiter grinsen.

Vom Mitlaufen zum Miteinander

Der SoVD-Inklusionslauf ist weit mehr als eine sportliche Veranstaltung. Er schafft Begegnungen, baut Brücken und macht sichtbar, was im Alltag noch viel zu oft selbstverständlich sein sollte: Menschen gehören dazu. Nicht irgendwann, nicht unter besonderen Bedingungen, sondern einfach so.

Unter dem diesjährigen Motto „Der Lauf für alle!“ standen besonders Familien und Angehörige von Menschen mit Behinderungen im Mittelpunkt. Menschen, die häufig im Hintergrund unglaublich viel leisten, begleiten, unterstützen, Mut machen und auch an schwierigen Tagen nicht aufgeben. Sie sind oft die stillen Heldinnen und Helden des Alltags. Ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, ist ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung.

Dass Inklusion nicht nur eine Worthülse auf einem Veranstaltungsplakat ist, sondern gelebt werden kann, wurde an diesem Tag spürbar. Beim gemeinsamen Start, auf der Strecke und überall dort, wo Menschen einander anfeuerten, unterstützten und sich miteinander freuten.

Denn Hand aufs Herz: Was bringt die schnellste Zeit, wenn man niemanden hat, mit dem man sich darüber freuen kann? Und was ist ein Zieleinlauf wert, wenn unterwegs das Miteinander auf der Strecke bleibt?

Die USE läuft – und wie!

Besonders stolz dürfen wir auf die Entwicklung unseres Laufsports in den vergangenen Jahren sein. Was sich hier entwickelt hat, ist weit mehr als eine Gruppe von Menschen, die regelmäßig ihre Runden dreht. Es ist eine Gemeinschaft entstanden, in der Bewegung verbindet, Erfolge gemeinsam gefeiert werden und jeder Mensch seinen Platz hat.

34 Teilnehmende beim SoVD-Inklusionslauf sind dafür ein wunderbares Zeichen. Hinter dieser Zahl stehen Menschen, die sich auf den Weg machen, die trainieren, sich etwas zutrauen und ihre eigenen Grenzen verschieben. Manchmal sind es große sportliche Fortschritte. Manchmal ist es der Mut, überhaupt an den Start zu gehen. Und manchmal ist es einfach ein Lächeln, das sagt: Ich war dabei – und es war großartig!

Dass bei all dem Teamgeist auch persönliche Bestzeiten erreicht wurden, macht die Sache umso schöner. Es zeigt, dass sich gegenseitige Unterstützung und sportliche Entwicklung keineswegs ausschließen. Im Gegenteil: Wer sich wohlfühlt, wer ermutigt wird und wer nicht ständig mit anderen verglichen wird, kann über sich hinauswachsen.

Gänsehaut statt Goldmedaille

Was bleibt von diesem Tag? Sicherlich viele schöne Erinnerungen, zufriedene Gesichter und jede Menge Gesprächsstoff. Vielleicht auch der eine oder andere Muskelkater. Der gehört schließlich dazu – und ist gewissermaßen der sportliche Beweis dafür, dass man etwas getan hat.

Vor allem aber bleiben die Begegnungen. Die kleinen und großen Erfolgsmomente. Das gegenseitige Anfeuern und die Emotionen. Die Freude darüber, gemeinsam etwas geschafft zu haben. Und dieses besondere Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, in der nicht zuerst gefragt wird, wie schnell jemand ist oder welche Voraussetzungen er mitbringt, sondern in der zählt, dass jeder Mensch willkommen ist. Darauf können wir stolz sein.

Denn die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt: Inklusion entsteht nicht allein durch gute Absichten oder schöne Worte. Sie wächst dort, wo Menschen gemeinsam aktiv werden, sich gegenseitig etwas zutrauen und einander selbstverständlich begegnen.

Die Ziellinie ist erst der Anfang

Die Botschaft dieses Lauftages ist deshalb ebenso einfach wie kraftvoll: Niemand muss auf den perfekten Moment warten, um mitzumachen. Man muss nicht besonders schnell sein, keine Rekorde brechen und auch nicht schon topfit an der Startlinie stehen. Man muss nur den ersten Schritt wagen.

Oder, um es im Sinne der USE zu sagen: Lauft einfach mit!

Die 34 Teilnehmenden haben beim SoVD-Inklusionslauf 2026 gezeigt, wie viel Freude, Zusammenhalt und sportlicher Ehrgeiz in einer inklusiven Gemeinschaft stecken können. Und sie haben daran erinnert, dass die eigentliche Leistung manchmal nicht auf der Stoppuhr steht.

Inklusion ist keine Ziellinie. Sie beginnt dort, wo wir gemeinsam loslaufen.

Laufen verbindet uns alle!

Text: Manuela Milbradt                       Fotos: Nicole Slovan, Jörg Siebert

Inklusionslauf 2026 Tempelhofer Feld